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Ausgabe 35 - Herbst 2002

Musiktipps

Vamos! Salsa, Merengue and more: Latin Hits Vol. 1-10, ViaCancun (Vertrieb: EFA)

Bereits in Matices 31 wurden die ersten vier Folgen der bei ViaCancun erschienenen Reihe Vamos! vorgestellt, eine Kompilation von kraftvollen Coverversionen verschiedenster Salsa-, Merengue-, Cumbia- und Porro-Hits und einschlägiger Crossover-Formen. Seitdem wuchs die Reihe beständig auf insgesamt zehn CDs weiter. Nach einem Exkurs in den Reggae- und MPB-Bereich (Vol. 5) ist man mit der sechsten CD zu einer überaus lobenswerten neuen Politik übergegangen. Hier und auf den darauffolgenden CDs wurden immer mehr unbekannte Künstler mit ihren eigenen Interpretationen aufgenommen, um ihnen so eine internationale Plattform zu bieten. Vol. 10 ist eine komplette und ausgezeichnete Originaledition mit dem früheren Sänger des Grupo Niche, Álvaro del Castillo. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wird die gesamte Reihe (Vol. 1-10) in einer Box mit einem allerdings etwas schmalen Booklet angeboten. 600 Minuten Partyfeuerwerk, das erst gar keine andächtige Weihnachtsstimmung aufkommen lässt!

Gunnar Nilsson

Mercedes Peón: Isué, Resistencia (Galileo Music Tel: 08144-939421)

Wer bei dem Klang der galizischen Gaita (Dudelsack) an den etwas altbackenden Sound von Hevia denkt, sollte die Debütplatte von Mercedes Peón zum Anlass nehmen gehörig umzudenken. „Isué“ klingt stellenweise so, als ob Hevia und Transglobal Underground zusammen ein Jamsession veranstaltet hätten. Kaum zu glauben, dass galizische Folklore so sexy und pulsierend sein kann. Mercedes Peón wurde für diese Album mit Preisen und Chartnotierungen überschüttet. Bei den Titelen handelt es sich teilweise um traditionelle Volkslieder, mal um Eigenkompositionen. Ob sie sich aber nun nur von einem Akkordeon begleiten läßt, oder elektronische Beats den Rhythmus vorgeben, jedesmal beeindruckt ihre hervorragende Stimme.

Gabriel González

Thalia: Thalia, EMI

Thalia, Tochter des Zeus und eine der neun Musen aus der griechischen Mythologie, zuständig für Komödie und lyrische Dichtung, ist die Namenspatronin der mexikanischen Sängerin Ariadna Thalía Sodi Miranda. Auf ihrem zweiten gleichnamigen Album – nach ihrem Debut 1990 – präsentiert Thalía internationale Popmusik. Dass sie Mexikanerin ist, lässt sich an der Musik nicht erkennen, die Stilrichtung reicht von Balladen („No me ensenaste“) über leicht rockige Songs („Y seguia“) und Discostücke („Vueltas en el aire“) bis zu vorsichtigem Rap („La loca“). Alles international kompatibel, anzusiedeln zwischen der insgesamt rockigeren Kolumbianerin Shakira und den discotauglicheren Stücken von Jennifer Lopez. Auf der CD wurde die Musik nicht von Thalía geschrieben, sondern von Erfolgsproduzenten wie Emilio Estefan.

Auch von den Texten hat die 1971 in Mexiko City geborene Sängerin nur zwei selbst verfasst. Diese unterscheiden sich aber nicht vom schlichten Rest, bei dem es auch immer nur um glückliche oder unglückliche Liebe geht oder um Teenagerprobleme, womit die Zielgruppe klar wäre. Die lyrische Muse Thalia hat hier nicht Pate gestanden. Trotzdem oder gerade deswegen hat das Album, auf dem Thalía auch englische Texte singt, in den ersten fünf Wochen 200.000 Exemplare in den USA verkauft und Platin erhalten. Die CD schließt mit einer überflüssigen Coverversion des Stückes „You spin me round“ (1985) von der Band Dead or Alive.

Torsten Eßer

Tom & Joyce: Tom & Joyce, Yellow Productions, Best.-Nr. YP CD, 098

Bei Tom und Joyce handelt es sich nicht - wie die brasilianische Musik vermuten lässt - um die beiden weltbekannten Bossa-Nova- Stars Tom Jobim und Joyce, sondern um ein Duo aus Frankreich: Thomas Naïm und Joyce Hozé sind Musiker der französischen Elektronik-Szene. Schon seit Kindertagen begeisterten sich die beiden für brasilianische Musik. Sie durchforsteten häufig die Plattensammlung von Joyce‘ Vater, der ihr auch den Namen der brasilianischen Sängerin gab, die er so verehrte.

Auf ihrer gleichnamigen CD setzen Tom und Joyce kaum elektronische Effekte ein. Inspiriert durch die samtenen Bossa-Nova-Klänge und angespornt durch den weltweiten Erfolg brasilianischer Musik, entdeckten sie ihre Vorliebe für handgespielte Titel, wie die Stücke „Partir“, „Paradisio“ oder das Instrumentalstück „Relaxin“ eindrucksvoll belegen.

Seit einigen Jahren haben die DJs und Remix- Experten den Bossa für sich entdeckt. Auch das Stück „Vai Minha Tristeza“ wurde viele Male geremixt und ist ein großer Erfolg auf europäischen Tanzflächen. Tom und Joyce entwickeln aus ihrer Verehrung für den Bossa Nova kleine musikalische Perlen, die die Gedanken des Zuhörers in die Ferne schweifen lassen.

Torsten Eßer

Los Fakires: Los Fakires, Deutsche Grammophon

Betrachtet man das Cover denkt man doch sogleich „Aha, schon wieder ein paar dieser netten Greisen aus dem Buena-Vista-Altersheim“. Legt man die CD jedoch wohlwollend in seinen Player merkt man aber schnell den Unterschied. Die gestandenen Herren aus Santa Clara (Kuba, was sonst?) bereichern ihren traditionellen Son mit einer ungewöhnlichen Beilage: einem Saxophon!

Dieses wird sparsam aber sehr effektvoll eingesetzt. Die sympathischen Fakire sind natürlich mal wieder älter als die örtliche Krankenkasse erlaubt; zwischen 70 und 80 Jahren. Das musikalische Repertoire (Guarachas, Boleros, Son) stammt zumeist aus den 30er, 40, und 50er Jahren. In den 60er Jahren waren die Fakires mal eine Big Band. Mittlerweile sind sie aber (aus biologischen Gründen?) zu einem Quintett zusammengeschrumpft.

Das hat dem warmen und lebensfrohem Sound aber nicht geschadet. Im Mittelpunkt der Band steht der Halb- Chinese und Sänger Martín „Cascarito“ Chavez. Seine warme Stimme zieht den Hörer von ersten Augenblick an in den Bann und verleiht dem Sound der Fakires seine eigenständige Note.

Gabriel González

CD-ROM: „Afro- Karibisches Musikarchiv“, (Version 8/02)

Das „Afro-Karibische Musikarchiv“ ist für Freunde lateinamerikanischer Musik eine sehr nützliche CD-ROM. Peter Brand und Helmut Otto haben in Form einer Excel-Tabelle Informationen zu rund 12.000 CDs dort zusammengetragen. Ob Tango, Cumbia oder Merengue, in dieser Liste findet sich alles, was das Herz begehrt. Gezielte Recherchen nach Titel, Interpret und anderen Kriterien sind möglich, eine Länderzuordnung fehlt leider. Leicht lassen sich Diskographien einzelner Künstler zusammenstellen.

„Suchen“ und „Sortieren“ ist im Datensatz über die Excel-Befehle möglich, allerdings nur für Nutzer der Version 2000. Zusatzinformationen zu einzelnen CDs verstecken sich hinter den kleinen roten Ecken in einer Zelle. Leider gibt es für solche Funktionen oder auch zu den farbigen Kennzeichnungen keinen Einführungs- oder Hilfstext. Ratsam ist es, sich vor Benutzung der Datei eine Kopie anzufertigen, denn die Gefahr ist groß, Teile der Daten aus Versehen zu löschen. Zu beziehen ist die CD-ROM für 15 Euro bei: Peter Brand, Allmendweg 5, 69151 Neckargemünd (pebrand@aol.com).

Torsten Eßer

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