Bittere Bananen

Auf Bananenplantagen in Costa Rica

von Klaus Jetz

Für die einen ist und war sie eine Paradiesfrucht, für viele war sie vor nicht allzu langer Zeit verkürztes Symbol der Freiheit, und für diejenigen, die ihr von Anfang an, vom Sproß bis zur erntereifen Frucht, am nächsten stehen, ist sie Produkt der grünen Hölle. Von der Banane ist die Rede, genauer von der sogenannten Dollar-Banane, die auf Plantagen in Costa Rica, Honduras oder Ekuador angebaut wird.

Als grüne Hölle bezeichnete der costarikanische Autor und KP-Abgeordnete Carlos Luis Fallas (Calufa) in seinem realistischen Roman Mamita Yunai (1941) die Bananenplantagen der United Fruit Company (daher der verballhornte Romantitel) in seiner Heimat. Die 1899 in den USA gegründete, in Zentralamerika berühmt berüchtigte Firma ist seit 1969 Bestandteil der United Brands Company. Ihren Namen hat die UFC also nie ganz abgelegt. Und auch ihre Ausbeutungsmethoden, den menschenverachtenden Umgang mit zentralamerikanischen Erntearbeitern, die Verfolgung von Gewerkschaftern und die blutige Unterdrückung von Bananenarbeiterstreiks haben sich kaum geändert. Neu ist der massive Einsatz von Pestiziden und Chemikalien, die Unmenge an Gift, mit der allein den Schädlingen noch beizukommen ist, die nicht mehr und nicht weniger darstellen als das logische Resultat eines skrupellosen monokulturellen Anbaus.

Im costarikanischen Bananengürtel an der Karibikküste kommen, laut Angaben des Foro Emaús, einem Netzwerk von kirchlichen Gruppen, Umwelt- und Gewerkschaftsverbänden, bis zu 240, in den Herkunftsländern zum Teil verbotene chemische Markenprodukte in großen Mengen zum Einsatz. Diese gehen auf 22 verschiedene hochgiftige Wirksubstanzen zurück. Alle sind in Costa Rica zugelassen. Nach 20 Jahren ist der Boden einer monokulturell genutzten Bananenplantage völlig ausgelaugt und nicht mehr zu gebrauchen. Neue Flächen müssen erschlossen und abgeholzt werden. Die bis zu drei Meter hohen Pflanzen sind derart überzüchtet, daß sie ohne die Befestigung durch Plastikseile (piola) sofort umknicken würden. Dieses synthetische Produkt wird in unzähligen Containern aus Italien importiert und läßt den riesigen Müllberg aus Plastik in der Provinz Limón ebenso anschwellen wie die innen mit Pestiziden behandelten Säcke, die den noch unreifen Bananen zwecks Bekämpfung des Pilzbefalls übergestülpt werden. Arbeiter der Chiquita-Plantage "Gacelas", die unter menschenunwürdigen Bedingungen in zur Finca gehörenden Baracken untergebracht sind, berichten von Flugzeugeinsätzen und Fungizid-Besprühungen der Plantagen aus der Luft. Während dieser Einsätze dürfen die bananeros die Felder oftmals nicht verlassen. Zudem ist bei einer solchen fumigación aérea, je nach Windrichtung, nicht zu verhindern, daß selbst die Wohnblöcke der Familien mit Fungiziden besprüht werden.

Vergiftete Umwelt

Eduardo Gómez, nationaler Bananenproduzent und Besitzer der 200 ha großen Plantage 'El Esfuerzo' berichtet, daß er allein zur Bekämpfung der Sigatoka Negra (Pilzbefall der Cavendish-Bananenpflanze) pro Jahr und Hektar 1000 US-Dollar aufwendet. Die von den Produzenten in Unmengen eingesetzten Fungizide, Nematizide, Herbizide und Insektizide bedrohen die einzigartige Biodiversität des Landes. Über die zahlreichen Wasserläufe und Flüsse, an denen Bananen-Fincas wegen des hohen Wasserverbrauchs meist angelegt werden, gelangen die Gifte ins Grundwasser und in die karibische See, wo sie langsam die der Küste vorgelagerten Korallenriffe zerstören. Auch für die Menschen im Bananengürtel stellen sie eine Gefahr dar. So kommt es immer wieder zu tödlichen Arbeitsunfällen durch Vergiftungen. Im gesamten Land erlitten 1997, laut Angaben der Tageszeitung La República, 827 Menschen Vergiftungen durch Pestizide. Bei diesen Arbeitsunfällen steht die Provinz Limón an erster Stelle. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahrzehnten in Costa Rica mehr als 10.000 Männer durch den Kontakt mit dem Antiwurmmittel DBCP steril.

Die Arbeiter der Chiquita-Plantage 'Gacelas' klagen nicht nur über die unmenschlichen Bedingungen, denen sie sich am Arbeitsplatz und an ihrem 'Wohnort' inmitten der Finca ausgesetzt sehen. In die kleinen Baracken werden oft bis zu drei Familien hineingepfercht. Bis zu zehn Junggesellen schlafen in sogenannten baches (von engl. bachelor), in denen es an Matratzen fehlt, von Betten ganz zu schweigen. Die sanitären Einrichtungen, soweit überhaupt vorhanden, sind, gelinde gesagt, auch für anspruchslose Gemüter eine Zumutung. Vor allem jedoch beschweren sich die Arbeiter über antigewerkschaftliche Repressalien. Sie berichten von "Strafversetzungen", der Zuweisung schlecht bezahlter und gefährlicher Jobs für Gewerkschaftssympathisanten, von sogenannten listas negras , die über entlassene Gewerkschafter angelegt werden und in den Unternehmen des Bananengürtels kursieren, von der sogenannten papaya, einer Art Lohnschlüssel, der eigentlich laut Gesetz auf jeder Finca öffentlich ausgehängt werden muß und der genau aufzulisten hat, wieviel für die verschiedenen Tätigkeiten bezahlt wird und wieviel jeder Arbeiter nach einer Woche verdient hat. Dieses System soll eine Lohnkontrolle durch die Arbeiter ermöglichen, doch auf der Plantage 'Gacela' haben die bananeros, die laut eigenen Angaben rund 10 US-Dollar am Tag verdienen, nie eine solche papaya zu Gesicht bekommen.

Bananenrepublik

Wer heute nationale und multinationale Bananen-Fincas in Costa Rica besucht, fühlt sich also nicht selten in die 40er Jahre zurückversetzt, mitten ins Geschehen von Calufas Mamita Yunai. Doch zunächst noch einige Fakten: In einem Zeitraum von nur sieben Jahren, zwischen 1985 und 1992, wurde die Fläche des monokulturellen Bananenanbaus in Costa Rica auf 52.000 ha verdoppelt. Dies entspricht ca. 1 % der Gesamtfläche bzw. 20 % des agrarisch genutzten Fläche des Landes oder konkreter ausgedrückt: man stelle sich einen ein Kilometer breiten Streifen zwischen Köln und Paris (520 km) vor. Während die costarikanischen Kaffee-Fincas, die sich 150.000 Familien teilen, eine Größe von 1 bis 5 ha aufweisen, finden sich im Bananengürtel an der costarikanischen Atlantikküste ca. 200 Plantagen mit einer Größe zwischen 200-300 ha. Die Bananenwirtschaft des Landes bringt es mit ihren jährlich erwirtschafteten 110 Mio. Kilo, von denen die Hälfte auf eine 12- bis 18-tägige Schiffsreise nach Europa geschickt wird, auf einen Umsatz von 600 Mio. US $ im Jahr, was rund 20 % des Gesamtexporterlöses Costa Ricas entspricht. Mithin hat sie das 3,5 Mio. Volk, dessen Agrarwirtschaft traditionell auf kleinbäuerlicher Subsistenzwirtschaft basierte, binnen weniger Jahre in den zweitgrößten Bananenexporteur der Welt, nach Ecuador, verwandelt. Es geht also um ein Riesengeschäft, an dem 60 % multinationale und 40 % nationale Produzenten verdienen. Deren Hauptanliegen ist es, die Produktionskosten zu drücken und die "nationale Frucht" gegenüber der Banane aus Ecuador, die auf dem Weg nach Europa zudem den teuren Panamakanal durchqueren muß, so wettbewerbsfähig wie möglich zu halten. Insgesamt beschäftigt die "grüne Hölle" ca. 51.000 - oftmals minderjährige - Arbeiter, von denen sich, laut Angaben der Bananenarbeiter-Gewerkschaften, ca. 30 % ohne Papiere, meist Nicaraguaner, im Land aufhalten. 35.000 häufig wechselnde Arbeiter schuften auf der Basis von Dreimonatsverträgen. Des weiteren berichten Vertreter des Gewerkschaftsverbandes COSIBA, daß nur 8 % der bananeros gewerkschaftlich organisiert sind. Noch vor 20 Jahren bot sich ein völlig anderes Bild. Die Bananero-Gewerkschaften Costa Ricas waren einst schlagkräftige, mitgliederstarke Organisationen und eng mit der kommunistischen Partei verbunden. Deren Funktionäre in San José hatten auch in den heimischen Arbeiterverbänden immer nur den Transmissionsriemen der Partei gesehen. Als Mitte der 80er Jahre die Spaltung und der langsame Niedergang der KP einsetzte, bekamen dies auch die Gewerkschaften zu spüren. Zuvor aber war es ihnen in jahrelangem Kampf gelungen, deutliche soziale Verbesserungen wie Mindestlöhne, Tarifverträge und geregelte Arbeitszeiten für die Bananenarbeiter durchzusetzen. 1984 kam es in der südlichen Pazifikregion um Golfito erneut zu einem Streik, der 72 Tage dauern sollte und damit endete, daß der Hauptarbeitgeber der Region, die United Brands Company (Chiquita), ihren längst geplanten Rückzug antrat und ihr Hauptaktionsfeld in die Atlantikregion verlagerte. Der Hafen von Golfito machte Bankrott, und mehr als 2.500 Familien standen plötzlich vor dem Nichts. Zeitgleich verfolgte der Staat in einer Zeit, in der der Kalte Krieg im Mittelamerika ein 'heißer' Krieg war, eine zutiefst antigewerkschaftliche Politik, indem er arbeitgeberfreundliche, sogenannte 'solidaristische Vereinigungen' förderte, die den Arbeitskampf noch heute scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Bis heute haben sich die Bananero-Gewerkschaften Costa Ricas von diesem vereinten Schachzug der multinationalen und auch einheimischen Bananenwirtschaft sowie des Staates nicht wieder erholt.

Dieses traurige Kapitel costarikanischer Gewerkschaftsgeschichte sieht der nationale Inspektor für Arbeitsfragen im hauptstädtischen Arbeitsministerium, Rodrigo Acuña, natürlich ganz anders. Für ihn waren es die bösen Kommunisten, die einen Streik gegen einen Investor anzettelten, "um das Geld der Arbeiter zu stehlen", die die Familien in den Ruin und die Massenarbeitslosigkeit trieben. Der 'Staatsdiener' Acuña, für den Gewerkschaften offensichtlich ein rotes Tuch darstellen, scheut nicht einmal davor zurück, sich gegen die Verfassung seines Landes zu stellen, indem er begrüßt, daß die Manteltarifverträge (convención colectiva) in der costarikanischen Bananenwirtschaft durch direkte Betriebsvereinbarungen (arreglo directo) abgelöst wurden. Warum sollte er auch? Schließlich bekleidet er ein höchst dubioses Amt, das theoretisch so etwas wie eine kurzfristig entscheidende Klageinstanz für Arbeiter darstellt, die sich unternehmerischen Willkürmaßnahmen ausgesetzt sehen. De facto jedoch steht Acuña eher einem, wie das Verfassungsgericht feststellte, untätigen Stab vor, der sich auf Verschleierung und Verschleppung anhängiger Verfahren spezialisiert hat.

Auch andere Regierungsvertreter oder Repräsentanten halbstaatlicher Organisationen machen aus ihrer unternehmerfreundlichen, fast an Neurose grenzenden Verteidigungshaltung in der Bananenproblematik keinen Hehl. Einige Beobachter sehen in dieser geringen Kritikfähigkeit staatlicher Stellen die Haltung des beleidigten Musterschülers, galt doch das wirtschaftliche, staatliche und selbst ökologische Modell Costa Rica seit den 40er Jahren als vorbildlich für ganz Lateinamerika. So sehen etwa Gewerkschaftsvertreter Anzeichen dafür, daß die jahrelange Propagierung des costarikanischen Vorbildes in Europa oder Nordamerika eine gewisse Indifferenz an politischen und ökologischen Problemen des Landes zur Folge hatte.

Daß diese unkritische Haltung des Auslands staatlicherseits mit allen Mitteln gefördert wird, zeigte sich Ende letzten Jahres in Bonn, während eines Seminars zum Thema Bananenwirtschaft in Costa Rica. Dort war es zu einem geballten Aufmarsch costarikanischer Regierungs- und Wirtschaftsvertreter gekommen. Ungeladen erschien eine fünfköpfige Delegation in offizieller Mission, allesamt im Gefolge des ehemaligen costarikanischen Botschafters in Deutschland, Joaquín Chaverri, der heute Direktor des Nationalen Diplomateninstitutes im Außenministerium ist. Alle erklärten sie rundheraus und unisono, es gäbe keinerlei Probleme in der costarikanischen Bananenwirtschaft, das einzige Problem sei die protektionistische europäische Bananenmarktordnung, die dem freien Handel mit costarikanischen Bananen im Wege stünde. Deutsche Journalisten sollten sich vielmehr die Naturschönheiten des Landes in Gestalt der vielen Nationalparks zu Gemüte führen, um das wahre Antlitz der 'Schweiz Mittelamerikas' kennenzulernen. Der Auftritt war zu plump, denn wer solches Geschütz auffährt, hat natürlich etwas zu verbergen. In der Tat liegt in der Bananenwirtschaft des mittelamerikanischen Landes vieles im argen. Und an ein Land, dessen Oberschicht so gern von der 'Schweiz Mittelamerikas' spricht, das so stolz ist auf seine Nationalparks und in dem der inflationäre Gebrauch der Präfixe Öko- und Bio- selbst vor Tankstellen nicht halt macht, an ein solches Land legt man natürlich andere Maßstäbe an als an eine Bananenrepublik.

Tod durch Pestizide

Szenenwechsel: Besuch im Büro der Landarbeitergewerkschaft SITAGAH in Puerto Viejo de Sarapiquí. Die Arbeiter, die Hälfte Nicaraguaner oder Panameños, von verschiedenen Chiquita- oder Dole-Plantagen wie Guapiñol, Oropel oder Canfín schildern den qualvollen Tod des 18-jährigen Gredi Mauricio Valerín Bustos auf der 'Finca 96', die dem US-Multi Chiquita gehört. Der Junge erstickte am 14. November 1997, Minuten nachdem er das Unkrautvernichtungsmittel Paraquat, ein muskellähmendes Nervengift, inhaliert hatte. Das Opfer selbst war nach Angaben der Arbeiter nicht mit Pestizidspritzungen beauftragt. Zwei Tage zuvor aber war auf der Plantage 'Counter' (Produktname des hochgiftigen Herbizids) appliziert worden, und ein Vorarbeiter hatte Gredi Mauricio, unter Umgehung aller Vorschriften, alleine und ohne Schutzkleidung in den vergifteten Abschnitt geschickt. Die Familie des Jungen hat bisher, laut Angaben der bananeros, keine Entschädigung bekommen, da die Plantagenleitung von einem Selbstmord des Jungen ausgehe. Darüber hinaus habe der Todesfall in der costarikanischen Presse ein nur geringes Echo gefunden.

Einige der anwesenden Arbeiter sind wegen gewerkschaftlicher Aktivitäten oder Gesprächen mit Gewerkschaftsführern entlassen worden. Sie beklagen sich über Einschüchterungsversuche der Unternehmer, die mit aller Gewalt ein Anwachsen der Gewerkschaften verhindern wollen. Der Vorsitzender der Gewerkschaft, Ramón Barrantes, berichtet von insgesamt 20 anhängigen Klagen beim Nationalen Inspektor für Arbeitsfragen sowie von Klagen und Berichten, die die Gewerkschaft der International Labor Organization (ILO) in Genf wegen der häufigen Verstöße der Plantagenbesitzer und des costarikanischen Staates gegen Gewerkschafts- und Arbeitsrechte vorgelegt hat. Immer wieder ist Costa Rica von der ILO verurteilt und aufgefordert worden, die Rechte der Arbeiter auf Versammlungs- und Organisationsfreiheit zu achten. Bisher ohne Erfolg. Der Vorsitzende der Arbeitsimmigranten schildert die doppelte Diskriminierung der Nicaraguaner ohne Papiere (indocumentados), die sowohl rassistische Vorurteile ertragen als auch die schwierigsten und gefährlichsten Arbeiten auf den Plantagen übernehmen müssen. Zudem klagen die Nicaraguaner darüber, daß sie weniger Lohn bekommen als ihre costarikanischen Kollegen, zumal sie häufig nur über Arbeitsvermittler (contratistas) Jobs bekommen.

Auch der Priester Gerardo Vargas aus Limón an der Karibikküste beklagt die desolate Situation der Bananenarbeiter in Costa Rica. Schwere Anschuldigungen erhebt er gegen die Regierung seines Landes. In zunehmendem Maße, so Vargas, betrachten die Regierenden in San José die Protagonisten des von ihm mitbegründeten Foro Emaús als "Nestbeschmutzer" und "Feinde des Vaterlandes". Die Bananenwirtschaft des Landes unterliege völlig der Kontrolle der Regierenden. Viele Politiker, die Mehrheit der Minister und auch der scheidende Präsident Figueres seien im Bananengeschäft engagiert und folglich Mitstreiter im Kampf gegen Gewerkschaften und Umweltverbände. Tatsächlich hat die Regierung Costa Ricas in der Vergangenheit Streiks der bananeros öffentlich kritisiert und mitunter auch durch den massiven Einsatz von Polizeikräften unterdrückt. Franz Hinkelammert, der deutschstämmige Direktor des Departamento Ecuménico de Investigaciones (Ökumenisches Forschungsinstitut), DEI, in San José, das sich u.a. der Ausbildung von Laien aus den Basisgemeinden Lateinamerikas widmet, spricht davon, daß Streiks der Bananenarbeiter regelmäßig blutig beendet werden und daß es viele Tote zu beklagen gibt.

Chiquitas weiße Weste

Von all diesen desolaten Zuständen ist beim Besuch der Chiquita-Plantage 'Roble' nichts zu spüren. Ganz offensichtlich handelt es sich um eine Art Modell-Finca oder Vorzeigeplantage des multinationalen Fruchtkonzerns United Brands Company. Am Flußufer unterm Mangobaum haben drei Bananenmanager alles für einen Small-talk vorbereiten lassen: eisgekühlte Soft-drinks, frische Tropenfrüchte, Kaffee und reichlich Bier. In lockerem Plauderton und breitestem Südstaaten-Englisch beschreiben sie die Verdienste des Konzerns um das Wohl der Arbeiter. Weder David McLaughlin, Senior Director von Chiquita Brands Costa Rica und zuständig für Umweltfragen, noch Enrique Vázquez, Vizepräsident der Firma und zuständig für Beziehungen zur Regierung des Landes, sind sich zu schade, alles das abzustreiten, was Gewerkschafter zuvor in stundenlangen Hintergrundgesprächen geschildert haben. Für sie sind Chiquita-Plantagen schlicht das Paradies auf Erden. Schwarze Listen? "Lächerlich. So was gibt es bei Chiquita nicht. Wir haben viel zu viele Arbeiter, um sie alle kontrollieren zu können." Verfolgung von Gewerkschaftern? "Bei Chiquita wird keiner entlassen, nur weil er in der Gewerkschaft ist." Aber wie viele Arbeiter sind auf der Finca 'Roble' organisiert? "Höchstens drei oder vier. Wir haben solidaristische Vereinigungen und Gremien (comité permanente), die Lohnfragen direkt mit der Verwaltung regeln." Und was ist mit der Resolution 5000, mit der das Verfassungsgericht 1993 Chiquita verurteilt hatte, entlassene Gewerkschafter wieder einzustellen? "Die Auflagen haben wir erfüllt, wir haben sie wieder eingestellt."

Und dann berichten die Bananen-Manager noch von den sozialen und ökologischen Anstrengungen, die Chiquita zum Wohl der Arbeiter, der Bevölkerung und des ganzen Landes unternimmt und die das Unternehmen viele Millionen Dollars kosten. Sie rühmen sich des Einsatzes von organischem Dünger, des recycling anorganischer Abfälle, ihrer Unternehmungen im Bereich der Wiederaufforstung oder der umweltbewußten Erziehung der Arbeiter. Begriffe wie Biodiversität, Trainingsprogramme für Arbeiter, Sozialleistungen oder Rentenversicherung kommen ihnen ganz locker über die Lippen. Voller Stolz zeigen sie von Chiquita gesponsorte Malbücher, die Arbeiterkindern die Vogelvielfalt der Region nahebringen sollen, Rohre aus wiederverwertetem Plastikmüll und eine Art Trittbrett aus "recycled plastic", die überall in den Plantagen ausliegen und wohl verhindern sollen, daß die Arbeiter in der Regenzeit knietief im Schlamm versinken. Was sie natürlich nicht erwähnen, ist die Tatsache, daß es im ganzen Land nur zwei Anlagen für die Wiederverwertung von Plastik gibt, die bei weitem nicht in der Lage sind, den gesammelten anorganischen Unrat der Bananenwirtschaft in der Provinz Limón zu verarbeiten. Die eigentliche Überraschung aber haben sich die Herren für den Abschluß der Visite aufbewahrt: eine komplette Hängebrücke über den Sarapiquí-Fluß aus chiquitablauem, wiederverwertetem Plastikmüll.

Die Vertreter des Foro Emaús plagen natürlich andere Sorgen als eine billige Imagepflege. Alvaro Rojas, der im Netzwerk für Fortbildungsarbeit zuständig ist, gibt zu bedenken, daß in Costa Rica seit mehr als 100 Jahren Bananen angebaut werden. Angeblich machen sie den Reichtum des Landes aus, doch tatsächlich ist die Provinz Limón, wo die gelbe "nationale Frucht" wächst, das deprimierende Armenhaus Costa Ricas. Dennoch bewegt sie alle die Frage, was wird in 25 Jahren sein, wenn die Böden unfruchtbar sind, die Natur zerstört ist und die Menschen abwandern? Wird es den bananeros am Atlantik ähnlich ergehen wie ihren Landsleuten vor 15 Jahren in der Pazifikregion? Sie wollen jetzt handeln und das Schlimmste verhindern. Denn keiner der Aktivisten ist bereit abzuwarten und zuzusehen, wie sich die grüne Hölle langsam aber sicher in einen öden Landstrich verwandelt.

Home Mail